Bild Territorialverhalten

Wenn der Postbote zweimal klingelt…

Territorialverhalten beim Hund. Wer kennt es nicht, das typische Bild des Hundes, der den Postboten verjagt? Hunde sind territorial, sie passen auf uns auf, sie verteidigen ihre Wohnung, sie verbellen eben Eindringlinge. Doch stimmt das so pauschal eigentlich wirklich? Und was kann man tun, wenn das die Nachbarn und der Postbote eben nicht akzeptiert?

Territoriales Verhalten ist nicht immer Territorialverhalten

Hunde sind natürlich soziale Tiere. Mit dieser Eigenschaft bringen sie mit, dass viele ihrer Verhaltensweisen darauf ausgerichtet sind, Dinge, die benötigt werden für ihr Überleben und das ihrer Gruppe zu sichern. Dazu gehört auch der Aktionsraum, in dem sie leben. Dort gibt es Freunde, Futter, Aufmerksamkeit und im besten Fall Sexualpartner:innen. Also vertreibt man Konkurrenten möglichst von diesen Ressourcen.

Territorialverhalten oder nur unerwünschtes Verhalten?

Ganz oft ist das Verhalten, was uns in diesem Kontext stört aber gar kein echtes Territorialverhalten. Der Hund bellt, weil es eine schöne Beschäftigung ist und er damit Erfolg hat, wenn der Postbote verschwindet. Er regt sich auf, weil fremde Menschen in der Wohnung gruselig sind. Vielleicht auch, weil das eine so wunderbar tolle Abwechslung ist, die man verbal begleiten kann. Oder es ist ein wunderbares Hobby geworden, weil man tagtäglich im Garten sonst nichts zu tun hat.

Schnell verknüpft sich die Erregung mit und ergibt dann ein Konglomerat an unerwünschtem Verhalten, ausgelöst durch einzelne Trigger wie das Fahrradklappern des Postboten, Kinderlachen oder eben die Haustürklingel.

(Mehr theoretischen Hintergrund beleuchte ich auf der Grundlage meines Interviews zum dritten Online-Hundekongress mit Dr. Stephan Gronostay in diesem Blogartikel.)

Was tun bei bellenden Hunden?

Je nachdem, welches Verhalten dir nicht gefällt, ist der erste Schritt, sich Gedanken darüber zu machen, was du möchtest, was dein Hund tut.

  • Soll dein Hund zu dir kommen, wenn er das Fahrrad des Postboten hört?
  • Soll dein Hund in sein Körbchen gehen, wenn es an der Tür klingelt?
  • Soll dein Hund ruhig liegenbleiben, wenn Kinder am Zaun stehen?

Was dein Hund nicht sofort verstehen und lernen kann ist, einfach nichts zu tun. Hunde können sich nicht nicht verhalten. Wenn ein bestimmter Reiz bisher ein bestimmtes Verhalten ausgelöst hat, dann kannst du nur das Verhalten verändern und dann schauen, dass möglichst viel Ruhe dazukommt. Der Grund dafür ist, dass der Reiz eine Erregung auslöst, die ein Verhalten fordert. Die kann man nicht einfach abschalten, sondern nur Schritt für Schritt bearbeiten.

 „Besuch von Fremden“

Gerade das Verbellen von Besuch wird oft unter dem Begriff des Terrotiralverhaltens verstanden. Gneau hier gibt es viele Trainingsansätze.

Ein Training beginnt immer mit dem richtigen Management. Das bedeutet, dass du in einer Situation, in der du nicht trainieren kannst, alles tust, damit das unerwünschte Verhalten möglichst nicht oder reduziert gezeigt werden kann und niemand zu Schaden kommt. Ich erläutere mal, wie das aussehen kann, wenn dein Hund Besucher verbellt.

Folgende Managementmaßnahmen kannst du hier starten:

  • Bring deinen Hund in ein anderes Zimmer und mach die Tür zu. So unterbrichst du den Sichtkontakt und ein Reiz fällt weg. Du kannst eine Handvoll Futter in das Zimmer streuen, auch wenn dein Hund das nicht sofort fressen wird. Es lenkt ihn früher ab und reduziert die Aufregung etwas.
  • Wenn dein Hund sich in seiner Box oder einem Zimmerkäfig entspannen kann, kannst du ihn auch dorthin bringen, bevor du Gäste einlässt.
  • Bei manchen Hunden reicht es, ihnen etwas zu knabbern auf ihrem Platz zu geben. Leine ihn dann aber an, damit er kontrollierbar ist.
  • Manchmal ist es auch hilfreich, wenn du deinen Hund an eine kurze Hausleine nimmst, die er den ganzen Tag in der Wohnung trägt und ihn neben oder hinter dir platzierst, wenn du den Besuch reinlässt. Du passt natürlich auf, dass dieser nicht belästigt wird, indem du deinen Hund gut festhältst.

Das Training für Hunde, die bei Besuch bellen

Ziel des Trainings ist es, dass dein Hund sich auf einen Platz legt, wenn es klingelt und dortbleibt, bis du ihm erlaubst aufzustehen. Aufstehen darf er, wenn die Aufregung sich gelegt hat, dein Hund freundlich ist und netten Kontakt aufnehmen wird.

Mag er fremde Menschen generell nicht, bleibt er auf seinem Platz liegen und ist dort mit Absperrung oder Leine gesichert. Er sollte so dicht bei euch sein, dass er sich nicht ausgeschlossen fühlt und die Fremden als Auslöser dafür verstehen könnte. Er sollte aber auch so weit weg sein, dass er sich dort sicher und entspannt niederlassen kann.

Lernaufgabe: Sobald du die Türklingel hörst, geh auf deinen Platz und bleib dort liegen, egal was geschieht, bis ich dir ein neues Signal gebe.

Die Lernschritte:

  1. Bring deinem Hund bei, auf ein Wort oder Handzeichen auf den gewählten Platz zu gehen. Wie du das genau übst, erfährst du in deiner Hundeschule oder in einem anderen Beitrag demnächst.
  2. Füge ein neues Signal für dieses Verhalten ein, nämlich einen Klingelton (einen, den du an deiner Haustürklingel einstellen kannst). Nimm dazu den Ton auf Handy auf. Spiel ihn ab und gib kurz danach das bekannte „Geh auf deinen Platz“-Signal. Wiederhole das so oft, bis dein Hund schon auf das Klingeln selbst losgeht.
  3. Übe mit deinem Hund, auf dem Platz liegenzubleiben während du dich im Raum bewegst, Futter herumfliegt, Spielzeug gespielt wird, laut geredet oder gesungen wird, die Tür auf- und zugeht, du rein- und rausgehst usw.
  4. Übe abwechselnd zu 3., dass dein Hund bis zu 15 Minuten dort liegenbleibt, egal was um ihn geschieht.
  5. Gestalte die Übungssituationen immer mehr so, wie sie im Alltag ablaufen würde. Stell deine Türklingel um auf den neuen Ton. Bitte Nachbarn oder Freunde mehrmals in der Woche bei dir zu klingeln. Anfangs zu dir bekannten Zeitpunkten, später auch, wenn du es nicht erwartest. Hilf deinem Hund mit Wort- und Sichtsignal auf seinen Platz zu gehen und dort zu bleiben, wenn er es noch nicht sofort schafft. Anfangs wird nur geklingelt, später gehst du dann auch zur Tür, öffnest sie, redest dort und noch später lässt du Menschen ein.

Kleine Schritte sind essentiell!

In kleinen Schritten lernt dein Hund so das neue Verhalten unter kontrollierten Bedingungen. Natürlich wird er einerseits immer sehr gut belohnt und immer so trainiert, dass er es schafft. Andererseits ist die Situation so gestaltet, dass er sich nicht selbst belohnen kann durch aufstehen oder ähnliches. Schafft dein Hund den Trainingsschritt nicht, bist du zu schnell vorgegangen.

Schreib dir auf, was wie funktioniert und was noch nicht. So kannst du genau überprüfen, wo du Trainingszwischenschritte einbauen musst, um vorwärts zu kommen.

Training muss nie aufhören

Am Ende hast du einen Hund, der sich auf seinen Platz begibt, wenn es klingelt und dort bleibt. Jetzt kannst du neue Trainingsziele setzen. Zum Beispiel, dass er nach kurzer Zeit zu dir kommen darf und dort ruhig bleibt. Dass er fremde Menschen ruhig begrüßt, wenn er das möchte. Und dass er tut, was du möchtest, auch wenn die Menschen aufstehen, reden oder andere Dinge tun.

Unerwünschtes Territorialverhalten kannst du wie fast jedes beliebige Verhalten ändern oder neu trainieren, wenn es dich stört stört. Allerdings funktioniert das nur, wenn du zum Zeitpunkt des Auslösers auch da bist.

Lebt dein Hund im Garten und verbellt Passanten während du unterwegs bist, wird dir kein Training helfen. Nein, auch Strafe durch die Passanten nicht. Das führt eher dazu, dass dein Hund nun auch wütend wird und sich sein Verhalten verschlimmert. Hier musst du die Gesamtsituation betrachten und verändern.

Noch mehr Anleitungen, tolle Tipps und Tricks erklärt übrigens Dr. Stephan Gronostay in seinem umfangreichen Webinar „Was tun bei Territorialverhalten?“

Schau hier rein und starte dein Training noch heute!

1 Gedanke zu “Wenn der Postbote zweimal klingelt…”

  1. Super Tipps! Ich möchte unseren Hund nicht wegsperren, da unser Besuch nichts besonderes sein soll. Den Klingelton nehme ich gleich mit dem Handy auf und dann kann das Training beginnen. Pixi ist eine Sicherstellung aus dem Tierschutz und ist sonst nur sozial, aber das Haus sieht sie als ihr Territorium.

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