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Liebevolle Konsequenz – ein Gastbeitrag

von Arne Chris Winkler im Nachgang an seine Onlinesprechstunde im Rahmen des Hundekongress Vol. 2

„Was bedeutet liebevolle Konsequenz im Umgang mit Hunden?“

Diese tolle Frage habe ich bei einer Onlinesprechstunde nach dem Online Hundekongress gestellt bekommen. Weil mir an dem Abend keine wirklich zufriedenstellende Definition eingefallen ist, habe ich seither viel darüber nachgedacht und bin zu folgendem Schluss gekommen:

Unter dem Begriff „Konsequenz“ versteht man weitläufig die Reaktion auf eine bzw. die Folgen einer Handlung. Im Hundetraining bezieht sich „Konsequenz“ in erster Linie auf die Einhaltung verlässlicher Handlungsabläufe.

Konsequentes Handeln ist im Zusammenleben wichtig, um für seine Umwelt „kalkulierbar“ zu sein. Wenn ich an dieser Stelle von „kalkulierbar“ spreche, meine ich das in diesem Zusammenhang ausschließlich positiv. Inkonsequentes Handeln macht es für mein Gegenüber schwierig, Bedürfnisse zu erkennen und Reaktionen vorherzusehen. Man wird situationsbedingt also unkalkulierbarer. Je unkalkulierbarer man ist, desto schwieriger wird es für Sozialpartner, sich so zu verhalten, wie es dem anderen in dieser Situation am angenehmsten wäre. Das kann dann zu Unsicherheiten oder Störungen im Umgang miteinander führen.

Während wir unseren menschlichen Sozialpartnern den Grund für eventuelle Inkonsequenzen erklären können, wie z.B.: „Tut mir leid, ich habe dich nicht um Hilfe rufen hören, deswegen bin ich nicht gekommen.“, ist das bei unseren Hunden nicht möglich. Wir können unseren Hunden nicht den Grund unserer eventuellen Inkonsequenzen erklären.

Konsequenz ist im Umgang mit unseren Hunden also elementar wichtig, damit sie die Reaktionen auf ihr eigenes Verhalten erlernen.

Das ist zunächst einmal die Grundvoraussetzung zur Verhaltensoptimierung.

Jetzt kommt das „liebevoll“ ins Spiel. Konsequenz bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass ein Vorgehen unter allen Umständen alternativlos durchgesetzt werden muss. Man kann auch konsequent
handeln, indem man die Bedürfnisse der Beteiligten bei der Umsetzung berücksichtigt – dann ist es „liebevoll“.

Natürlich ist es nicht immer möglich, den Bedürfnissen aller Beteiligten gerecht zu werden. Auch hier hilft uns unsere vielschichtige, zwischenmenschliche Kommunikation bei der Akzeptanz unserer menschlichen Sozialpartner. Ein Hilfsmittel, das wir bei unseren Hunden leider nicht einsetzen können. Die für unsere Hunde wichtige „lernrelevante“ Information ist die, ob ein Bedürfnis Berücksichtigung fand oder nicht. Darauf baut die weitere Verhaltensentwicklung auf.

Wenn ein Hund aus Angst vor einem fremden Menschen an der Leine zieht und der Halter konsequent seinen Weg weitergeht und den Hund weiter in die „Gefahr“ nötigt, wird der Hund mit
großer Wahrscheinlichkeit immer sensibler an der Leine reagieren, weil er gelernt hat, dass sein „Sicherheitsbedürfnis“ nicht erfüllt werden wird. Ein Hund, dessen „Sicherheitsbedürfnis“
nachgekommen wird, weil der Halter z.B. einen ausreichend großen Bogen um die potentielle Gefahr schlägt, wird aufgrund dieser Lernerfahrung sein Verhalten eher nicht intensivieren.

Ähnlich verhält es sich bei Belohnungen. Wenn ein Hund gelernt hat, dass sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit belohnt wird, wenn er seinen Halter anspringt, wird er dieses Verhalten auch
vermehrt zeigen. Wohingegen ein Hund, der gelernt hat, dass beim Anspringen dieses Bedürfnis nicht erfüllt wird, dieses Verhalten eher nicht zeigen wird.

Welche Bedürfnisse hat der Hund?

Der Halter muss sich also zunächst über die Bedürfnisse seines Hundes bewusst werden, um dann die weiteren Vorgehensweisen gezielt wählen zu können und so die gewünschte Verhaltensentwicklung zu erreichen. Je konsequenter dies verfolgt wird, desto sicherer wird ein Hund in seiner Erwartungshaltung und in seinem Umgang mit der Situation.

Da sehr viele Bedürfnisse bei Hunden emotional gesteuert und unerwünschte Verhaltensweisen gegenüber Menschen nie aus Trotz, Rangstreben oder gar vorsätzlich „falsch“ gemacht werden, ist
das „liebevoll“ in der Konsequenz besonders wichtig. So wird Stress vermieden und einer Verhaltensintensivierung, sowie der Entstehung weiterer unerwünschten Lösungsstrategien
vorgebeugt.

Miteinander statt Gegeneinander

Außerdem ist das Zusammenleben mit einem Hund, der freiwillig macht was er soll, um ein Vielfaches angenehmer und sicherer, als mit einem Hund, der nur unter Zwang kontrollierbar ist …für
das Zusammenleben mit Menschen gilt das übrigens auch .

In diesem Sinne wünsche ich euch allen tolle Feiertage mit vielen schönen Momenten und ein ganz liebevoll konsequentes Jahr 2021!

…bleibt positiv!

Arne-Christoph Winkler

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