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Kastration beim Hund

Die wichtigsten Fakten kurz erklärt

In den letzten Jahren haben sich die Erkenntnisse zur Kastration beim Hund vervielfacht. Die bisher übliche rasche Entscheidung für eine Kastration weicht daher immer  mehr der individuellen Entscheidung, um die Vor- und Nachteile gründlich abzuwägen.

Eine Kastration ist ein massiver Eingriff in den Hormonhaushalt des Hundes und hat daher vor allem bei frühen Kastrationen einen großen Einfluss auf das Verhalten und körperliche Gegebenheiten des Hundes. Jeder Hundehalter sollte sich daher umfassend informieren, um seine Entscheidung mit allen Folgen sicher treffen zu können.

Die wichtigstens Infos als Flyer und noch viel mehr findest du auf der Website: www.kastration-beim-hund.de

Was bedeutet kastrieren eigentlich?

Eine chirurgische Kastration ist die Entfernung der weiblichen bzw. männlichen Keimzellen. Beim Rüden sind das die Hoden, bei der Hündin die Eierstöcke. Dadurch wird die Ausschüttung der Sexualhormone (v. a. Testosteron und Östrogen) unterdrückt. Kastriert werden kann aber auch mit Hilfe des sogenannten Kastrationschips. Dieser wirkt über einen Rückkopplungsmechanismus auf das Gehirn des Hundes und unterdrückt die Bildung von  Testosteron.

Eine Sterilisation wiederum ist das Unfruchtbarmachen von Rüde und Hündin, indem die Samenleiter oder die Eileiter durchtrennt werden. In den Hormonhaushalt wird dabei nicht eingegriffen. Genau wie bei der Vasektomie beim Menschen wird damit lediglich  die Fortpflanzungsfähigkeit verhindert.

Was geschieht bei der Kastration?

Bei der chemischen und chirurgischen Kastration wird der Sexualhormonspiegel im Hund massiv reduziert. Sexualhormone sind  zuständig für das Eintreten der Pubertät, der Reifung des Gehirns, dem Muskel- und Bindegewebsaufbau und das generelle Erwachsenwerden. Sie spielen eine Rolle bei der Selbstwahrnehmung, der Fähigkeiten zur Impulskontrolle und der Eingliederung in soziale Gruppen.

Eine Kastration, vor allem wenn sie vor der Pubertät des Hundes erfolgt, hat also einen massiven Einfluss auf die Entwicklung des Hundes. Kommt der Hund nicht in die Pubertät, kann er nicht reifen und erwachsen werden. Das Knochenwachstum wird später beendet und auch bei schon erwachsenen Hunden führt der Rück- gang von Testosteron zu Muskelabbau und Verschlechterung des Bindegewebes.

Vor- und Nachteile einer Kastration

Ob eine Kastration einen Einfluss auf das Verhalten eines ausgewachsenen Hundes hat, hängt von vielen Faktoren ab. Aufgrund  des Eingriffs in den Hormonhaushalt können sich Aggressionen verstärken oder verringern. Sexuell motiviertes Verhalten wie Streunen beim Rüden kann verschwinden, wenn es keinen erlernten Anteil hat. Zyklusabhängiges Verhalten bei der Hündin wird ebenfalls mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Zyklusunabhängiges Angstverhalten kann sich bei der Hündin verstärken.

Je älter und gefestigter der Hund ist, desto geringer ist der Einfluss  einer Kastration auf das Wesen des Hundes. Der Einfluss auf körperliche Gegebenheiten ist jedoch unabhängig vom Alter gegeben.

So steht die Kastration in Verbindung mit erhöhtem Risiko für verschiedene Krebsarten, einer Verschlechterung des Immunsystems, Übergewicht, Schilddrüsenunterfunktion und mehr.

Oft gestellte Fragen zur Kastration beim Hund

Warum sollte ein Hund kastriert werden?

Eine Kastration kann helfen, wenn beim Rüden die Hoden in der Bauchhöhle verbleiben (Kryptorchismus), er übersteigertes Sexualverhalten zeigt (Hypersexualität) oder massives lebensbeeinträchtigendes Konkurrenzverhalten gegenüber anderen unkastrierten  Rüden. Bei der Hündin wird u. a. kastriert bei einer Gebärmutterentzündung (Pyometra), wenn bösartige Veränderungen festgestellt werden, oder wenn sie unter massiven lebensbeeinträchtigenden Scheinmutterschaften leidet.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Kastration?

Wenn eine Kastration notwendig ist, dann sollte diese möglichst erst nach dem Erwachsenwerden des Hundes erfolgen. Das ist bei der Hündin nach der dritten Läufigkeit. Beim Rüden mit ca. 3 Jahren.

Wie sollte kastriert werden?

Die chemische Kastration durch einen Chip sollte vor der chirurgischen Kastration erfolgen, wenn problematisches Verhalten der Grund für die Kastration ist. Ist der erwünschte Effekt sichtbar,  kann dann noch unter der Chipeinwirkung die chirurgische Kastration erfolgen. Geht es lediglich um die Fortpflanzungskontrolle wie bspw. im Tierschutz, ist es sinnvoller, Rüden zu sterilisieren, um das soziale Gefüge nicht zu zerstören.

Führt eine Frühkastration dazu, dass mein Hund freundlicher bleibt?

Nein, nicht zwangsläufig. Ein Hund, der vor der Pubertät kastriert wird, kann nicht erwachsen werden. Er bleibt kindlicher und zeigt welpenhaftes Verhalten, welches Probleme mit anderen Hunden mit sich bringen kann. Oft riechen sie attraktiv für andere Rüden  und werden stark belästigt. Hinzu kommen gesundheitliche Beeinträchtigungen, wie Probleme mit dem Bewegungsapparat und anderes.

Verändert sich das Wesen meines Hundes durch die Aggression?

Starkes Angstverhalten (dass sich auch in Aggression ausdrücken kann) kann sich durch eine Kastration verschlimmern. Problematisches Verhalten einer Hündin, das nicht zyklusabhängig ist, kann  sich durch eine Kastration verschlimmern. Hypersexuelles Verhalten beim Rüden und auch aggressives Verhalten von Hündinnen in der Scheinmutterschaft kann sich verbessern. Verhaltensweisen, die durch Sexualhormone gesteuert werden, verändern sich. Ob das Verhalten aus Haltersicht besser oder schlechter wird, muss individuell beurteilt und evtl. durch eine chemische Kastration getestet werden.

Mögliche Nebenwirkungen einer Kastration

Neben erhöhtem Risiko für verschiedene Krebsarten kann auch die Inkontinenz eine Nebenwirkung der Kastration bei Hündinnen sein. Bei Hunden mit langem Fell kommt es zu einem verstärkten Wachstum von Unterwolle, was die Hunde welpenähnlicher aussehen lässt. Das Fell wird stumpfer und flauschiger. Kastraten haben einen reduzierten Stoffwechsel und benötigen weniger Nahrung. Passt man die Fütterung nicht entsprechend an, wird der Hund dick bzw. leidet unter chronischem Hunger. Je früher der Hund kastriert wird, desto eher kommt es zu Problemen im Bewegungsapparat. Kreuzbandriss, Muskelabbau und Bindegewebsschwächen sind typisch für kastrierte Hunde.

Wer kann mich beraten?

Der erste Ansprechpartner ist natürlich der Tierarzt. Vor allem,  wenn es um Verhaltensprobleme geht, sollte unbedingt der/die HundetrainerIn hinzugezogen werden. Nur so lässt sich individuell für deinen Hund eine Prognose erstellen, die im Zweifel mit  einer chemischen Kastration getestet werden kann.

Ausführliche Informationen zu allen Vor- und Nachteilen, Eventualitäten und Verhaltenszusammenhängen hat Kastrationsexpertin  und Tierärztin Sophie Strodtbeck in einem dreiteiligen Web-Seminar zusammengefasst.

Alles, was es aktuell rund um das Thema Kastration zu wissen gibt, findest du hier in insgesamt 3 x 2 Stunden Videomaterial zum Schauen oder auf die Ohren:

https://www.hundwerkszeug.de/web-seminare/web-seminar-kastration.html

Noch mehr inklusive druckbarem Flyer und einem kostenlosen Frage-Antwort-Video findest du hier:

www.kastration-beim-hund.de

 

2 Gedanken zu “Kastration beim Hund”

  1. Hallo Ariane,
    danke, den Artikel finde ich jetzt richtig super. Klar erklärt und auch für den Hundebesitzer, der sich mit dem Gedanken trägt, den Hund kastrieren zu lassen, sehr gut verständlich.
    Leider habe ich in meiner Ecke kaum Tierärzte, die auch die Nachteile einer Kastration mit dem Kunden besprechen. Da meiner Meinung nach, eine Kastration noch vor der Geschlechtsreife und auch gleich danach, nicht durchgeführt werden sollte. Ich habe in meiner über 20-jährigen Tätigkeit als Hundetrainerin nur 2 Fälle in denen ich eine frühe Kastration empfohlen habe.

  2. Liebe Ariane,

    ich habe mich zunächst gegen eine Kastration entschieden. Dein Artikel hat mir bei dieser Entscheidung sehr geholfen. Die gesundheitlichen Risiken nach einer Kastration waren mir so nicht bekannt. Danke.

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